Radtour durch die „Parkmeile“ und Protest der Bürgerinitiative

Eggarten mit Banner "Rettet den Eggarten!"

Am 22. Mai organisierte das Münchner Planungsreferat eine „Radtour durch die geplante Parkmeile ‚Drei-Seen-Platte'“ im Münchner Norden. Das nahm die Bürgerinitiative pro Eggarten zum Anlass, zu einem „Proteststopp“ aufzurufen. Denn die Radtour sollte auf ihrem Weg vom Olympiazentrum zum nahe gelegenen Lerchenauer See auch am Eggarten vorbeikommen.

Was ist eine Münchner Parkmeile?

Parkmeile ist ein Begriff, der in der Münchner Stadtplanung für Grünzüge verwendet wird: Parkmeilen sollen verschiedene Stadtteile verbinden, bei Neubaugebieten sollen sie mehr oder weniger von einer Bebauung frei gehalten werden. Dabei muss es sich nicht um Parks im eigentlichen Sinn handeln, zum Teil fallen auch Wiesen und Felder darunter, wie beim Feldmochinger Anger. Auch bei der städtischen Veranstaltung zur SEM Nord in Feldmoching war von einer „Parkmeile“ die Rede, siehe mein Bericht darüber: Große Neubaugebiete im Münchner Norden? („SEM Nord“).

„Parkmeile“ klingt schön, bedeutet aber nicht, dass es grüner wird als vorher – das gilt sowohl für eine eventuelle Stadtentwicklungsmaßnahme (SEM) zwischen dem Feldmochinger See und Fasaneriesee, als auch für eine Bebauung des Eggartens. Man könnte in solch drastischen Fällen sagen: Parkmeile wird, was man übrig lässt.

Bürgerinitiative und Gartler warten auf die Parkmeile-Radler

Leute der Bürgerinitiative warten unter den Bannern

Am späten Nachmittag versammelten sich Leute aus der Bürgerinitiative und einige Pächterinnen und Pächter in der Nähe der Unterführung, aus der die Radtour-Gruppe kommen sollte, um durch die Feldbahnstraße zu fahren. Man wollte einen „Proteststopp“ bewirken und ins Gespräch kommen. Doch die Radler ließen auf sich warten, und so vertrieb man sich die Zeit mit Gesprächen und Musik – jemand hatte eine große Box in die Unterführung gestellt, und an einem strahlenden Frühsommertag konnte man das gut aushalten.

Als die Radtour-Gruppe schließlich den Eggarten erreichte, wurde sie von den Anwesenden nicht auf Anhieb als Exkursion des Planungsreferats erkannt, denn es waren nicht mal 20 Leute – darunter der Tourleiter des Planungsreferats, Ex-Stadtrat Paul Bickelbacher und die zwei Sypmathisanten der Bürgerinitiative. Die Gruppe fuhr weiter, denn die Unterführung wollte man wohl aus Sicherheitsgründen nicht blockieren.

Die Exkursion machte aber bald nach der Unterführung Halt in der Feldbahnstraße, damit der Vertreter des Planungsreferats und eine hinzugekommene Kollegin das Bauvorhaben vorstellen konnten. Einige hinzu gekommene Leute aus dem Umfeld der Bürgerinitiative wurden eingeladen, sich dazu zu stellen.

Die Werbung des Planungsreferats für die Parkmeile wirkte an dieser Stelle etwas absurd, denn eine Grünverbindung existiert bereits und grüner wird es durch das Neubaugebiet sicher nicht. Nur die Schlaglöcher im Eggarten stören teils beim Radfahren …

Einfluss eines Neubaugebiets im Eggarten auf die Kaltluftleitbahn

Ich nutzte den Stopp als Gelegenheit, vor versammelter Runde die Stadtklimaanalyse anzusprechen, welche im Eggarten (von Westen kommend) eine Kaltluftleitbahn dokumentiert. Der Mitarbeiter des Planungsreferats und Paul Bickelbacher behaupteten, der Kaltluftaustausch werde durch die geplante Bebauung nur um 10 % gebremst. Was genau um 10 % reduziert wird – Volumenstrom, Breite des Durchflusses, Eindringtiefe ins Gebiet – erfuhr man nicht, umso mehr wurde aber auf Objektivität der Zahl gepocht. (Ich war aber auch zu perplex, um nachzufragen, da ich von Paul Bickelbacher als Reaktion auf meine Skepsis süffisant belehrt wurde, das sei keine Glaubenssache.)

Nicht nur die Kaltluftleitbahn würde durch das geplante Neubaugebiet geschwächt, sondern auch die Biotopverbundachsen in vier Himmelsrichtungen. Das wäre auch ein passendes Thema gewesen, zumal am 22. Mai Tag der Artenvielfalt ist. Doch die Gruppe radelte weiter, um lieber anderswo – ungestört von solchen Fragen und Protestrufen – zu halten und dem Planungsreferat zu lauschen.

Weitere Informationen über den Eggarten

blauer Himmel, grüne Bäume und Sträucher in der Daxetstraße

Wer sich einen Überblick über das Gebiet und die Planungen verschaffen will, liest am besten meinen Einführungsartikel auf dieser Seite: Das Bauvorhaben „Eggarten-Siedlung“: Ein Modellquartier in der Frischluftschneise?.

Außerdem gibt es einen vertiefenden Beitrag über Naturschutz im Eggarten.

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